Periprothetische Azetabulumfraktur: Häufigkeit, Ursachen und Risikofaktoren

In den letzten Jahren ist eine Zunahme von periprothetischen Azetabulumfrakturen zu verzeichnen, die auf eine alternde Bevölkerung und gesteigerte Aktivität im höheren Alter zurückzuführen sind. Diese Art von Frakturen treten häufig nach einem seitlichen Sturz auf den Trochanter major auf, können jedoch auch intra- oder postoperativ entstehen, wenn die Hüftprothesenpfanne zu tief aufgefräst und eingeschlagen wird.

Es gibt verschiedene Risikofaktoren für periprothetische Azetabulumfrakturen, wie zum Beispiel Osteoporose oder bestehender Knochenverlust in der Umgebung der Prothesenpfanne. Letzteres kann auf Entzündungsreaktionen durch Prothesenabriebgewebe zurückzuführen sein.

In Bezug auf die Morphologie der Frakturen können die Muster, ähnlich wie bei natürlichen Azetabulumfrakturen, nach Judet und Letournel klassifiziert werden. Wenn eine Trennung des Darmbeins vom Sitzbein und Schambein vorliegt – also eine Fraktur durch beide Azetabulumpfeiler – und die Fraktur innerhalb der letzten drei Monate aufgetreten ist, spricht man von einer akuten Beckendiskontinuität.

Zusammenfassend sind periprothetische Azetabulumfrakturen ein zunehmendes Problem, das durch eine alternde und aktive Bevölkerung begünstigt wird. Verschiedene Risikofaktoren können dazu beitragen, und eine genaue Klassifizierung der Frakturmuster ist für die Diagnose und Behandlung entscheidend.

Diagnose von periprothetischen Azetabulumfrakturen

Periprothetische Azetabulumfrakturen können zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen der Hüfte, Schmerzen bei Belastung des Beines oder Fernschmerzen im Oberschenkel führen. In einigen Fällen kann eine zentrale Luxation der Prothesenpfanne ins kleine Becken auch zu schwerwiegenden Blutungen und Kreislaufinstabilität führen. Um eine genaue Diagnose zu stellen, werden Röntgenaufnahmen und Computertomografien (CT) herangezogen.

Bei der Therapieplanung müssen zusätzliche Faktoren wie Knochenverlust, Prothesenabrieb, Lockerung der Pfanne oder Fehlstellung berücksichtigt werden. Eine SPECT-Untersuchung (Single Photon Emission Tomography/Computed Tomography) kann erforderlich sein, um die mögliche Lockerung der Pfanne genauer zu beurteilen. Dabei wird eine Knochenszintigrafie mit einer CT kombiniert, um die Aktivität des Knochens zu analysieren.

Bei der Entscheidung über die geeignete Therapie spielen auch das Alter der Prothese, vorbestehende Hüftbeschwerden und der Prothesentyp (Hemi- oder Totalprothese) eine Rolle. Durch die Berücksichtigung all dieser Faktoren kann eine effektive und individuell angepasste Behandlung von periprothetischen Azetabulumfrakturen gewährleistet werden.

Konservative Behandlung periprothetischer Azetabulumfrakturen

Die konservative Behandlung periprothetischer Azetabulumfrakturen ist eine häufig angewandte Methode, um unverschobene oder wenig-dislozierte Frakturen bei Patienten mit Hüftprothesen effektiv zu behandeln. Diese Art von Frakturen kann sowohl bei Hemi-Prothesen als auch bei Hüfttotalprothesen auftreten.

Um eine erfolgreiche konservative Behandlung zu gewährleisten, empfiehlt es sich, die betroffene Hüfte über einen Zeitraum von 8 Wochen mit einer Teilbelastung von lediglich 15 kg zu entlasten. Dies ermöglicht eine schonende und sichere Heilung der Fraktur, ohne das Risiko einer Verschlechterung des Zustands zu erhöhen.

Insgesamt stellt die konservative Behandlung von unverschobenen oder wenig-dislozierten periprothetischen Azetabulumfrakturen eine wichtige Option für Patienten dar, die eine sichere und effektive Methode zur Genesung suchen. Durch die Anwendung dieser Technik können sowohl Hemi- als auch Hüfttotalprothesenträger von einer schnellen und effizienten Rehabilitation profitieren.

Periprothetische Azetabulumfraktur-Operation: Indikationen und Behandlungsverfahren

Die Operation einer periprothetischen Azetabulumfraktur ist bei dislozierten Frakturen indiziert. Bei weniger verschobenen Frakturen, ob bei einer Hemiprothese oder einer Totalprothese mit stabiler Integration zum Vorder- oder Hinterpfeiler, erfolgt die offene Reposition und innere Fixation der Fraktur analog zu Azetabulumfrakturen über einen vorderen oder hinteren Zugang, abhängig von der Dislokation.

In Fällen einer Hemiprothese mit vorbestehenden Schmerzen oder deutlich dislozierter Fraktur und Knorpelschäden, ist neben einer Osteosynthese die zusätzliche Implantation einer Hüftprothesenpfanne erforderlich. Wenn eine Fraktur und eine zusätzlich gelockerte Pfanne vorliegen, muss neben einer Osteosynthese ein Pfannenwechsel über einen vorderen und/oder hinteren Zugang durchgeführt werden.

Abhängig von zusätzlichen Knochendefekten kann die Verwendung von humanem Knochenersatzmaterial oder sogenannten Augments (Metallstücken) erforderlich sein. Als geeignete Pfanne kommt eine Rekonstruktionspfanne oder eine hochporöse Pfanne in Frage, die sich gut im Knochen integriert. Die sicherste Variante, insbesondere bei schlechter Knochenqualität, ist die Kombination einer hochporösen Pfanne mit einem Rekonstruktionsring in der sogenannten «Cup-Cage»-Technik.

Um Prothesenluxationen vorzubeugen, wird eine Doppelkopfprothese («Double Mobility») in das Konstrukt zementiert. Die anschliessende Nachbehandlung hängt von der Stabilität der Rekonstruktion und des Knochenaufbaus ab und umfasst entweder eine 15 kg Teilbelastung für 6-8 Wochen oder eine Vollbelastung.

Patientenfälle am Trauma Zentrum Hirslanden

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