Sehnenverletzungen im Beckenbereich bei Sportlern

Becken-Sehnenverletzungen treten zwar seltener auf als solche an den oberen Extremitäten oder der Achillessehne, sind jedoch bei Sportarten mit schnellen Richtungsänderungen, wie Fussball oder Wasserski, zu finden. Die häufigsten Verletzungen betreffen die ischiokrurale Muskulatur, auch als Hamstring-Muskelgruppe bekannt, die aus den langen und kurzen Köpfen des Musculus biceps femoris, dem M. semitendinosus und dem M. semimembranosus besteht. Meistens sind muskulotendinöse Übergänge betroffen, seltener kommt es zu Abrissverletzungen am Sitzbein oder gar Abrissfrakturen.

Sehnenverletzungen des Musculus rectus femoris am unteren Darmbeinstachel sind typisch, aber selten bei Fussballern. Im Wachstumsalter treten eher Avulsionsverletzungen auf, während bei Erwachsenen Abrissfrakturen beobachtet werden. Verletzungen am oberen Darmbeinstachel betreffen vor allem adoleszente Sprinter, Distanzläufer oder Fussballspieler und sind selten. Hierbei können Abrissfrakturen durch direktes Trauma auftreten.

Äusserst seltene Sehnenverletzungen sind Rupturen der Iliopsoassehne am Ansatz beim kleinen Rollhügel, während Verletzungen der Adduktorenmuskulatur meist im muskulotendinösen Übergang auftreten und in der Regel keine Operation erforderlich ist.

Diagnose von Sehnenverletzungen im Beckenbereich

Bei Verletzungen der Oberschenkelmuskulatur, wie etwa Hamstring-Verletzungen, sind typische Anzeichen ein schmerzender Oberschenkel bei Bewegungen im Hüft- oder Kniegelenk sowie beim Sitzen.

Während des Unfallereignisses empfindet der Betroffene häufig ein Rissgefühl, das von sofortigem Schmerz und Kraftverlust begleitet wird. Zudem bildet sich ein Bluterguss, der zunächst am Gesäss und anschliessend am Oberschenkel entlang verläuft. Bei einer vollständigen Sehnenruptur kann der Defekt ertastet werden. Schmerzen, Kraftverlust und Blutergüsse an der Vorderseite des Oberschenkels sind hingegen Anzeichen für Avulsionsverletzungen oder -frakturen im Bereich der oberen und unteren Darmbeinstacheln.

Die Diagnose von Sehnenverletzungen im Beckenbereich erfolgt mittels Magnetresonanztomografie (MRT). Dieses Verfahren ist besonders geeignet, um die verschiedenen Arten von Sehnenverletzungen im Beckenbereich präzise und zuverlässig zu identifizieren.

Behandlung von Sehnenverletzungen am Becken: Therapie für Hamstrings & Avulsionsfrakturen

Die Behandlung muskulärer Verletzungen der Hamstrings erfolgt konservativ mit einer Entlastungsdauer von 6-12 Wochen. Bei akuten Avulsionsverletzungen wird eine Operation durchgeführt, bei der mehrere Fadenanker über einen Schnitt in der Gefässfalte in Bauchlage eingesetzt werden. Dies dient dazu, chronische Schmerzen und eine eingeschränkte Funktion mit Kraftverlust zu verhindern.

Die Nachbehandlung nach einer solchen Operation beinhaltet das Gehen an Stöcken für 6 Wochen, wobei die Hüftflexion auf etwa 60° begrenzt und die Kniestreckung limitiert ist. In chronischen Fällen, die länger als 4 Wochen zurückliegen, kann eine operative Refixation erforderlich sein, wenn trotz intensiver Rehabilitation weiterhin Schmerzen und Funktionseinschränkungen bestehen oder aufgrund von Vernarbungen Schmerzen im Bereich des Ischiasnerven auftreten.

Avulsionsfrakturen am Sitzbein werden abhängig von der Grösse der Fragmente durch Schrauben oder Platten fixiert. Bei Avulsionsverletzungen an den Darmbeinstacheln (Spina iliaca anterior superior/inferior) ist eine konservative oder operative Behandlung mit Fadenankern möglich, wobei die letztere Option eine schnellere Rehabilitation ermöglicht.

Die häufiger auftretenden Avulsionsfrakturen werden über den vorderen iliofemoralen Zugang nach Smith-Petersen entlang der Beckenschaufel und vorne über das Hüftgelenk offen eingerichtet und mit Schrauben fixiert. Zur Erhöhung der Stabilität und um einen erneuten Ausriss zu vermeiden, wird zusätzlich eine Platte als Zuggurtung verwendet.

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